Suche
  • Autorenschule Berlin
  • + 49 (0)177 3216298
Suche Menü

Waben der Worte

Frankfurter Buchmesse 2023

Da ich, in guter alter Tradition, nach der Buchmesse, krank zurück gekommen bin und das Bett hüten musste, kommt der Messebericht nun leider ein wenig verspätet, vergessen habe ich ihn jedoch nicht.

Wo beginnen, wenn ich in der Erinnerung noch einmal durch die Hallen streife?

Die feierliche Eröffnung der Frankfurter Buchmesse mit anschließender Begehung des Gastlandpavillons ist  mein geliebtes Ritual zur Einstimmung auf die Messetage. Mit Sicherheit trifft man dort auf Kolleg:innen, schließt neue Kontakte in die Buchwelt und erhebt das erste Glas auf das neuerliche Wiedersehen mit der Branche.

Dieses Jahr freilich war vieles anders. Nicht etwa wie in den Coronajahren, auch wenn sich da schon einiges verschoben hatte. 2023 sind die weltpolitischen Auseinandersetzungen sehr nah an uns herangerückt. Die Stimmung im Publikum ist aufgeladen. Das ist insbesondere zu spüren, als Zizek die Bühne betritt und als Gastlandredner das Podium nutzt, um mit populistisch anmutenden Redefiguren und m.E. sehr fehlgeleiteter Argumentation  – insbesondere kurz nach den Angriffen der Hamas – das Wort an die Branche zu richten. Dies geschieht nicht etwa in Form einer Diskussionsrunde, in der eine sachliche Debatte in Form von Rede und Gegenrede erst entstehen könnte, Zizek allein hat das Wort. Seine Redezeit erscheint mir quälend lang. Der Antisemitismusbeauftragte unterbricht ihn aus dem Publikum herausein kurzes Aufatmen, aber leider kann so kein Gespräch aufkommen, das dringend nötig gewesen wäre. Einzelne Menschen erheben sich aus dem Publikum, skandieren Richting Bühne, Zizek sage doch die Wahrheit, er solle fortfahren. Wie lange dauert es wohl noch und es werden wieder Parolen laut, die wir hinter uns gelassen zu haben glaubten?

Und doch ist da Hoffnung, es spricht eine slowenische Dichterin, ebenso eine Vertreterin des Gastlandes, Miljana Cuntas. Ihre Worte mögen in dem Trubel um den Skandaltreiber Zizek ein wenig untergegangen sein, was sie nicht verdient haben. Die Poesie, sagt Cuntas, ereigne sich immer woanders. Sie sei jene andere Stimme, sie verbinde Gegensätze, flüstere aus der Nähe und gleichsam klinge sie aus der Ferne zu uns, sie liebe das Paradoxe. Die Zeit, so Cuntas weiter, sei der Dichtung nicht gewogen, auch wenn sie es sei, die es allein vermöge, die Unbändigkeit inneren Lebens widerzuspiegeln. Dabei sei es unwichtig, ob das gegenwärtige Literatursystem eine solche lyrische Stimme feiere oder ihr keine große Beachtung schenke. Wesentlich sei allein , dass sie überlebe und das tue sie, wenn sie ihre Leser finde. Ob es eine Vielzahl sei oder eine kleine überschaubare Menge, in denen sie fortwirke, spiele dabei keine Rolle. Einzig durch die Poesie vermöge man die Welt zu schauen, wie man Sterne betrachte. Sie sei der Platz, in der sich eine untergründige Gemeinschaft forme. Sie, die einzig mögliche Antwort, wirke ähnlich wie die Hoffnung, sie allein könne sich dem Status Quo widersetzen. Cuntas wünscht allen Besucher:innen der Buchmesse, insbesondere in diesen Tagen das eine Gedicht zu finden, das zu ihnen spricht.

Nach der Aufregung um die Eröffnung war die Buchmesse dann doch, was ich erhofft hatte: Begegnungsort mit der Branche, ein Forum des Austauschs, eine Möglichkeit bekannte und weniger bekannte Autor*innen zu hören. Und weil man vor Ort gewesen sein muss, um wahrhaftig in das Erleben Buchmesse einzutauchen, um aus der Vielzahl der Stimmen jene zu finden (ob bewusst oder unbewusst), die mitten im Gewusel einen Resonanzraum in einem öffnen, der nur durch die Schönen Künste zu betreten ist, habe ich mich entschieden, diese Vielfalt der Erfahrungen mit einer kleinen Fotostrecke zu bebildern, die vielleicht in Kürze einen visuellen Eindruck eben davon vermitteln kann . Kommen Sie doch bei Gelegenheit einmal zur nächsten Buchmesse und tauchen Sie ein in das Wunder der Geschichten oder – um es mit den Worten des Gastlands Slowenien zu sagen: Finden Sie  Waben der Worte, finden Sie jene Zeilen, die etwas in Ihnen zum Klingen bringen, das in der Welt ansonsten unterginge.

 

 

Sicher teilen mit den neuen Shariff-Buttons für mehr Datenschutz!
Wir benutzen Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch deinen Besuch stimmst du dem zu.