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Klang und Worte – Der IV. Schreibhain-Jahrgang debütiert

Blogbeitrag von Luise Wolf und Clarissa Lempp

„Durch eine Brille aus Klang und Worten“ auf das Leben schauen. Mit diesem Bild eröffnete Tanja Steinlechner die Lesung der Schreibhain-Absolventen des Jahrgangs IV. Sie beschrieb damit den Geist der Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Jede Wahrnehmung wird ihnen zur Interpretationsfolie ihres eigenen Stoffes, ihrer Figuren und Schauplätze. Sechs Autorinnen und Autoren stellten am 12. November ihre Stoffe in Gegenwart von Lektoren, Agenten und Lesern in den atmosphärischen Räumen der Brotfabrik vor.

Kristina Langenbuch und Gesa Weiß (Literaturagentur Langenbuch & Weiss) kommen regelmäßig zu den Schreibhain-Lesungen. Sie schätzen die Möglichkeit, Autoren und ihre Geschichten hier persönlich und direkt kennenlernen zu können, und diese Freude „beruht auf Gegenseitigkeit“, so Kristina. Sie kennt die Tücken des Exposés, mit dem Literaten ihr Buch bei Agenturen oder Verlagen bewerben. Das sei nicht jedermanns Sache. In der formalen Bewerbung „fällt vielleicht etwas unter den Tisch“, bemerkt Kristina. Und man kann sich vorstellen, dass bei Werkideen von bis zu 500 Seiten den Zuhörern allerhand Fragen durch die Köpfe rauschen konnten. Welche Protagonisten treten noch ins Bild? Wird sich die Protagonistin verlieben? Welche Ereignisse gingen der Roman-Handlung voraus, wie werden sie thematisiert?

Natürlich braucht nicht jede gute Story auch eine Liebesgeschichte und nicht jeder Stoff eine lebhafte Vergangenheit. Wunderbar lebendig und zugleich subtil ließ es sich aber an, wie die Schreibhain-Absolventin Susanne Neeracher-Frei bei diesen Fragen in ihre Roman-Handlung eintauchte und uns mitten unter ihre Protagonistinnen eines fein-gewebten Entwicklungsromans setzte. Bei der Beschreibung ihrer Figuren und Handlungen wurde ihr Geist suchend und tastend, als würde sie selbst diese Figuren verkörpern, diese Entscheidung irgendwann treffen müssen – als würde sie ihre Figuren weniger bestimmen, als vielmehr ihnen beim Werden kritisch und einlenkend zur Seite stehen.

Der Stipendiat des Jahrgangs IV, Fabian Bader, stellte in seinem Roman-Entwurf „Profilbilder“ moderne Kommunikationstechnologien und die ewige Suche nach der eigenen Identität in den Mittelpunkt. Das iPhone 6 des namenlosen Protagonisten wird zum Tagebuch, zur Erinnerungsmaschine und zum Selbstfindungsapparat. Am Ende bleibt die Frage, welcher der Follower auch im echten Leben besteht und welcher nicht mehr als ein digitales Rauschen ist.

Gleich zwei Romane präsentierte Jessica Potthast. In ihrem Thriller folgt die Protagonistin, eine Parfümeurin, der Duftmarke eines Serienmörders. In ihrem Jugendbuch-Entwurf nimmt sie die Leser mit auf einen Road-Trip, der von Norddeutschland nach Kroatien und durch Vergangenheit und Gegenwart der jungen Ausreißerin und ihrer besten Freundin führt. In beiden Auszügen öffnete Jessica Potthast durch ihre einfache und doch bildreiche Sprache die Geschichten sofort für die Zuhörenden.

Die Stoffe entfalteten ein Prisma zeitgenössischer Themen, Tendenzen und Sehnsüchte: zwischen Kontinenten chattende Lebensentwürfe, Profilbilder als Baustellen des Selbstbildes, Generationenkonflikte, die Suche nach Heimat, in und außerhalb Deutschlands oder in der Virtual Reality. Ebenso unterschiedlich der Antrieb hinter den Geschichten, von der eigenen Erfahrung bis zum Wunsch soziale Konflikte abzubilden. Der von Andie Arndt vorgestellte Roman „Blaues Gold“ greift auf beides zurück. Die Autorin ist viel gereist und setzte ihre Geschichte über einen Wasserskandal zwischen Berlin und Indonesien an. Auch die Sehnsucht nach der puren Lust und nach Fantastischem siedelt heute in den Köpfen junger Autoren. Am Sonntag führte sie auch ins Düstere, in den Schatten, die Dystopie, wie in der Trilogie von Nina Michnik.

Emm Stumms Roman „Sexdämon“ zeichnet sich durch die enge Synthese von Form und Inhalt, von Schreibstil und unterschiedlichen Epochen und Musikstilen der Handlung aus, durch die der Protagonist der Geschichte reist. „Musik bildet sich im Körper ab“, so Tanja Steinlechner, die Gründerin und der Leiterin der Autorenschule Schreibhain., „Herz und Blutströme machen den Rhythmus, die Bewegungen, die Gesten und Mimik, die Melodie.“

Und wie Melodien rauschten die Bilder und Geschichten der Lesung durch unsere Köpfe. Musik ist die vergänglichste aller Künste. Einige der Autorinnen und Autoren dürfte es mit etwas Glück gelingen, ihre Geschichten im Buchformat zu verewigen, um uns weiter zu beschäftigen.

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