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#weiterschreiben100 – Lyrik

Berlin, 20. März 2020

Besuchsstopp

Autorin: Ingeborg Woitsch

www.ingeborgwoitsch.de

https://www.facebook.com/ingeborg.woitsch

Wiiiirus, sie spricht das Wort, das sie in der Werkstatt aufgeschnappt hat,
das ihr die Betreuer in Leichter Sprache erläutert haben blind hinein

ins Telefon, damit ich irgendetwas damit anfange.
So ein Wiiirus!

Wie ein eckiger Brocken Brot, schwarz verbrannt, der nicht schmeckt, überhaupt nicht,

so was zum Ausspucken.

Ein Wort, das in seiner Bedeutung vorbei zielt am Down-Syndrom.

Nichts, das schön ist und schmeckt und umarmt werden will.

Händewaschen, sagt sie, krass wichtig ist das.

Die anderen sind giftig, die vielen anderen in der Wohngruppe.

Das kommt ihr so vor, als ob die anderen in der Welt giftig seien:

Du bist giftig.

Wiiirus!

Irgendetwas will unserem ganzen Leben eine Krone aufsetzen,

aber nicht mit uns!

Ein Wort, wie von einem unguten Planeten auf diese Erde gefallen.

Aber Du, Kleiner Prinz, bitte hilf uns!

Ein Wort, einer unverständlichen Sprache entsprungen, nie gehört!

Wiiiirus?

Was soll das, meine jüngste Schwester hat viel zu tun, sagt sie.

Sie will, wie immer Comiclesen, zum Beispiel.

Scheiß-Spaziergänge in der Gruppe, Null Bock.

Und:
Keiner kann ins Behinderten-Heim.

Besuchsstopp.

Ich auch nicht.
Der Allmächtige stehe uns bei.

Das wäre das …..

Ich hab dich lieb.
Ich dich auch.

Sehen wir uns bald?

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